Juli 2019 – CryptoStamp – ein Stein des Anstosses?

Jungfräuliche CryptoStamp, noch nichts freigerubbelt.

Vor zwei Wochen habe ich getwittert, dass ich auf jeden Fall über diese Briefmarken schreiben werde, da ich die Idee eigentlich nicht schlecht fand, ich mich aber erst mal verstehen wollte, was jetzt diese „Crypto-Währung“ ist. Letzteres konnte mir niemand wirklich richtig erklären, sodass ich es wirklich verstanden hätte. Ich bin einfach nicht gut im abstrahieren. Was ich aber verstanden habe ist, dass es eine digitale Währung ist. Durch kryptographisch (eine Erklärung aus dem Internet zum Schmunzeln: „Kryptographie ist eine Wissenschaft zur Entwicklung von Kryptosystemen und neben der Kryptoanalyse ein Teilgebiet der Kryptologie“ – für mich einfach eine geheime Verschlüsselung) abgesicherte Protokolle und dezentrale Datenhaltung ermöglichen diese digitalen Währungen einen digitalen Zahlungsverkehr ohne Zentralinstanzen wie etwa Banken. Dabei repräsentiert der Besitz eines kryptologischen Schlüssels das Eigentum von ebenfalls kryptologisch signiertem Guthaben in einer gemeinschaftlichen Buchhaltung in Form einer eigenen Speicherform (Blockchain). Die bekanntesten digitalen Währungen sind Bitcoins, Ether, XRP oder auch Litecoin.

CryptoStamp mit „freigerubbelten“ Feldern im linken Bereich. (1) QR-Code, auch auf Briefmarke – Zugang zur digitalen Briefmarke (2) Zugang zur digitalen Geldbörse (Wallet), (3) Secret Word List – um die CryptoStamp in ein anderes Wallet zu transferieren

Was hat das jetzt mit der verausgabten Briefmarke zu tun?  Die Crypto stamp besteht einerseits aus der physischen Briefmarke, die man aus dem Markenblock an der gestanzten Linie herausbrechen und wie eine „normale“ Briefmarke versenden kann – also nichts ungewöhnliches. Der zweite Teil des Markenblocks (neben der Briefmarke) enthält jedoch – verborgen unter einer Rubbelschicht – die Zugangsdaten (Adresse und Private Key) zu einem sogenannten Wallet, einer „virtuellen Geldbörse“. Darin liegt die dazugehörige digitale CryptoStamp, verschlüsselt mit einer Ethereum-Blockchain. Mit dieser ist für jeden ersichtlich, welcher Wallet-Adresse die digitale CryptoStamp zugeordnet ist. Der Besitzer hinter dieser Wallet-Adresse ist jedoch nicht sichtbar. Nur der Besitzer des zum Wallet gehörenden Private Keys kann über die digitale CryptoStamp verfügen und sich so als Eigentümer ausweisen. Auf dem Markenblock ist dieser Code in Form einer „Secret Word List“ abgebildet, die nach dem Freirubbeln des dritten Feldes zu sehen ist. Mit diesem Code kann man über die vorkonfigurierte Wallet-Adresse verfügen und die Marke auch zu anderen Wallets übertragen. Jeder Eigentumsübergang wird in der Blockchain

Erst nach dem Scannen des QR-Codes erkennt man welche Variante man gekauft hat. Ausser man scannt natürlich gleich beim Kauf. Die Variante ist daher nur auf der digitalen Briefmarke im Netz ersichtlich, die „reale“ Briefmarke ist immer schwarz.

irreversibel dokumentiert, somit kann der rechtmäßige Besitz immer nachgewiesen werden. Das auf dem Markenblock abgebildete Einhorn hat symbolische Bedeutung: Erfolgreiche Start-up-Unternehmen, die mit mindestens einer Milliarde US-Dollar bewertet werden, werden in der Geschäftswelt „Einhörner“ („Unicorns“) genannt, weil sie wohl genauso selten sind wie die Fabelwesen. Das Einhorn gilt zudem als Wappentier der Ethereum-Community. (Erklärungen von austria-forum.org). 

Die Post bewarb sie als „die erste Blockchain-Briefmarke der Welt“, womit man auch international für Aufsehen sorgte. Verausgabt wurde im Juni, heute gibt es sie bereits nur noch im Nezt zu kaufen. Kein Postamt hier in Vorarlberg führt sie noch. Insgesamt wurden 150.000 CryptoStamps verausgabt. 1500 rote, 10.000 gelbe, 20.000 blaue, 40.000 grüne und 78.500 schwarze Varianten. Welche Variante man erworben hat, stellt sich erst heraus, wenn man den QR-code scannt und sich die digitale Briefmarke, ansieht. Die physische Briefmarke gibt keinen Hinweis – bis auf den QR-code – auf die Variante.

Interesse weckte diese Marke in meinem Umkreis auf jeden Fall bei jungen Menschen. Wie ist das gemacht? Kann ich sie noch kaufen? Und dieses – Kann ich sie noch kaufen? – begründet wohl auch den Hype, den es um diese Marke inzwischen gibt. Sie ist bereits ausverkauft, denn nicht nur Philatelisten haben sie gekauft, sondern auch jene, die die Briefmarke als ein ähnliches Spekulationsobjekt wie Kryptowährungen ansehen, und sie daher in großen Stückzahlen gekauft haben. Dies treibt jetzt in der Tat den Preis dieser Marken im Netz in astronomische Höhen. Ein Satz aller Varianten wird im Moment im Netz bereits zu ca. 4500 € beboten. Höhere Preise bis zu 1 Million sind auch zu finden, aber hoffentlich nicht ernst gemeint….. Jeder muss selbst wissen, was er bezahlen will…

Daher wohl auch die harsche Kritik an dieser Marke aus fast allen Sammlerkreisen:

  • postfrisch ist nur die „jungfäuliche“ Marke, wenn gerubbelt wurde ist sie nicht mehr postfrisch, heißt aber, dass der Sammler nie Eigentümerrechte an der digitalen Marke anmelden kann
  • wie sooft auch bei den letzten Ausgaben von Sondermarken: der hohe Nennwert von 690 Cent kann man nur auf einen übergroßen Auslandsbrief bis zwei Kilogramm portogerecht anbringen. Ist daher Bedarfspost mit dieser Marke überhaupt zu finden?
  • Ist die CryptoStamp nun eine Marke oder ein Block? Im Austria Netto Katalog wird sie auf jeden Fall als Block katalogisiert auch wenn sie nach philatelistischer Definition („Einzelstück“) eigentlich eine Marke ist.
  • die große Mehrheit der Sammler kann mit solch einer Innovation wenig anfangen, vor allem wenn man die Altersstruktur anschaut.

Den letzten Punkt kann man jedoch – denke ich – entkräften, indem man annimmt, dass diese Marke vor allem Jugendliche ansprechen sollte. In meinem Umkreis hat sie auf jeden Fall in dieser Altersgruppe Interesse geweckt……

Bin mal gespannt, wie die Diskussion und teils auch Aufregung um diese Marke weitergeht. Irgendwer hat mir mal gesagt, egal wie bescheuert eine Werbung ist, das Ziel der Werbung ist, dass über das Produkt gesprochen wird. Vielleicht sollte man es von dieser Seite sehen. Hauptsache es wird über Philatelie gesprochen. Als letzten Monat eine Briefmarke auf Brief aus Baden für 1,2 Mill versteigert wurde, hat man auch darüber gesprochen, und keiner hat sich so aufgeregt.