Februar 2026 – Ganzsache 1929 aus Schaan nach Innsbruck

Ganzsache 1929 - SchaanWieder mal Danke an Sieghard, der uns diese Karte zur Verfügung gestellt hat. Die am 28. Mai 1929 in Schaan aufgegebene Postkarte nach Innsbruck ist ein schönes Beispiel für die liechtensteinische Übergangs- und Bedarfspost der späten 1920er Jahre. Es handelt sich um eine Ganzsache (Provisorium) zu 10 Rappen aus dem Jahr 1929, entstanden durch Umwertung einer älteren 25-Rappen-Ganzsache von 1921.

Die ursprüngliche Ganzsache (Ausgabe 01.02.1921) zeigte als eingedruckten Wertstempel „Schloss Vaduz“, eine Briefmarke entworfen von Luigi Kasimir und Tanna Kasimir-Hoernes und im Stichtiefdruck (Intaglio) ausgeführt. 1929 wurden vorhandene Restbestände dieser 25-Rappen-Karten durch Überdruck auf 10 Rappen herabgesetzt. Solche Provisorien entstanden aus tariflichen und praktischen Gründen – meist infolge geänderter Gebühren oder ungünstiger Vorratslage – und besitzen heute einen eigenen postgeschichtlichen Reiz.

Winzer und schloss liechtenstein 1921Zur Erreichung des korrekten Portos wurde die Ganzsache mit einer 10-Rappen-Freimarke der Serie „Winzer und Schloss“ (Ausgabe Mai 1925) ergänzt. Diese Marke wurde von Eugen Verling entworfen und von Jean Sprenger gestochen. Zusammen ergeben Wertstempel (10 Rp) und Zusatzfrankatur (10 Rp) eine Gesamtfrankatur von 20 Rappen, entsprechend dem damaligen Auslandspostkarten-Tarif für Europa, da die Karte an einen Medizinstudenten nach Innsbruck ging. Die Karte ist somit eindeutig portorichtig und als Bedarfspost gelaufen.

Burghof Vaduz 1925

Der klare Ortsstempel „SCHAAN 28.V.29“ ist ein Brückenstempel schweizerischer Type ohne Stundenzahl, mit zwei Sternen und der Landesbezeichnung „(Liechtenstein)“ in Klammer (Verwendungszeit 4.4.1926–3.12.1931). Gerade dieser Klammerzusatz ist postalhistorisch aufschlussreich: Seit dem 1. Februar 1924 war das liechtensteinische Postwesen aufgrund des Postvertrags organisatorisch der Schweizer Post unterstellt. Die Stempel wurden fortan nach Schweizer Norm gefertigt. Während die früheren liechtensteinischen Stempel vor 1924 lediglich den Ortsnamen ohne Landesangabe trugen, wurde nun zur eindeutigen internationalen Zuordnung – insbesondere im Rahmen des Weltpostvereins – das Land in Klammer ergänzt.  Der Stempel dokumentiert somit sichtbar die Eingliederung Liechtensteins in das schweizerische Postsystem.

Schaan-Stempel 1921

Die doppelte Abstempelung erklärt sich aus der Mischfrankatur: Sowohl der eingedruckte Wertstempel der Ganzsache (10 Rp, Provisorium) als auch die zusätzlich aufgeklebte 10-Rappen-Marke mussten vollständig entwertet werden, um eine Wiederverwendung auszuschließen. Mit dem wohl ersten Abschlag wäre das Wertzeichen der Ganzsache wohl unberührt geblieben. Daher setzte der Postbeamte noch einen klaren Abschlag über die Ganzsachen-Marke – eine bei der Schweizer Post durchaus übliche und besonders bei Auslandssendungen sorgfältig praktizierte Vorgehensweise.

Obwohl es sich nicht um eine große Seltenheit handelt, vereint dieser Beleg mehrere philatelistisch relevante Aspekte: provisorische Umwertung einer Ganzsache, Zusatzfrankatur mit zeitgenössischer Freimarke, portorichtige Auslandsverwendung und einen charakteristischen Übergangsstempel der schweizerischen Verwaltungsperiode. Damit ist die Karte ein typisches, zugleich aber aussagekräftiges Dokument der liechtensteinischen Postgeschichte der Zwischenkriegszeit.