August 2020 – Makulatur?

Farbprobe: 5 Rappen in Grün anstelle Oliv – Relikt der Briefmarkenaffäre der Jahre 1919-1922?

Bezüglich des heute vorgestellten Beleg des Monats musste ich für meine philatelistischen Verhältnisse doch schon recht viel detektivisch erkunden. Der Beleg stammt wiederum von S. Danler (Danke!). Es ist ein ungezähnter Eckrand-Viererblock (Probedruck) der 1921 erschienen ersten liechtensteinischen Marken mit schweizerischer Frankenwährung. Diese Marken hatten das liechtensteinische Landeswappen umrahmt von zwei Putten als Motiv. Auffallend ist hierbei, dass es sich bei diesem Block um 5 Rappen-Marken handelt. Diese war aber oliv und nicht grün, wie auf diesem Probedruck. Grün war die Farbe der 10 Rappen-Marke. Daher stellt sich mir jetzt hier die Frage, wie kam es zu diesem Druck? Ist dieser Beleg evtl. ein Überbleibsel der größten Briefmarkenaffäre der liechtensteinischen Post, die zu jener Zeit voll im Gange war.

1921: Liechtensteinische Briefmarkenausgabe mit schweizer Währung: Wappen, Ansichten

Am 27.11.1919 schloss ein liechtensteinisch-österreichisches Konsortium mit der liechtensteinischen Regierung einen Vertrag, in welchem diesem Konsortium die Herstellung, die Herausgabe und den Vertrieb der Marken überlassen wurde. Dies geschah, da dieses Konsortium der liechtensteinischen Regierung hohe Gewinne aus dieser Tätigkeit versprach. Wohl, da sich die versprochenen Gewinne nicht einstellten, kam es zu zwielichtigen Machenschaften. U.a. die vertragswidrige Produktion zahlreicher Fehldrucke und Abarten in riesigen Mengen, welche heute im Zumsteinkatalog wie folgt kommentiert werden: „Von den Konsortiumsausgaben (Nm.11-60) existieren allerlei Abarten, geschnittene statt gezähnte, Farbproben, Doppeldrucke, Fehlzähnungen, kurz gesagt alle mögliche Makulatur, die für den Allgemeinsammler ohne Interesse ist.“ Auch führten die fehlenden Gewinne zu starken Verwerfungen in der liechtensteinischen Politik, die im Feb. 1921 zu Demonstrationen in Vaduz führten. Nach dem Einsetzen einer Untersuchungskommission, die die zwielichtigen Machenschaften des Konsortiums endgültig aufdeckte, löste die Regierung den Vertrag am 25.4.1922 mit dem Konsortium auf. Ihr Beschluss, sämtliche Restbestände der Marken zu vernichten, wurde nur teilweise umgesetzt, und wie gesagt: möglicherweise ist dieser heutige Beleg ein Beleg der Briefmarkenaffäre ……..

Ein kleines bisschen „Mehr“ diesesmal rund um Briefmarkenaffären in Liechtenstein im nun folgenden Quiz. Wenn Sie die Fragen beantworten – egal ob richtig oder falsch oder gar nicht – gibt es kurze Erklärungen / Zusatzinformationen zu dem Thema der Frage. Viel Spaß dabei.

Wenn Sie nach (Nicht-)-Beantwortung der Fragen auf „zur Auflösung“ klicken, erscheint  eine Ergebnisseite mit:

  • der „gegebenen Antwort“
  • der korrekten Antwort
  • mit Infos zur korrekten Antwort – hier wird die kurze Erklärung zur korrekten Antwort gegeben, falls angebracht.

Viel Spaß beim Mitmachen!

Die ersten liechtensteinischen Marken mit Schweizer Währung waren

Ein Mitglied des „betrügerischen“ Konsortiums war Luigi Kasimir. Er war

Welche liechtensteinischen Marke wurde zu einem begehrten Spekulationsobjekt?